Berufsfeld Musiktherapie für Sozialpädagogen

Fachhochschule Frankfurt Kurs: Einführungsseminar
Fb Sozialpädagogik Dozenten: Sommerlad/Bingula
April 1991 Referent: Frank Doerr
Thema: Musiktherapie in der Berufsfelderkundung des Sozialpädagogen

Was ist Musiktherapie?

„Musiktherapie ist, wenn man im Kreis sitzt“, meinte ein Kommilitone am Anfang seines ersten Musikseminars, als er über seine Vorstellungen dazu befragt wurde. Deshalb hier nun ein Versuch, Musiktherapie mit Worten zu erklären:

Alles ist Kommunikation, meistens nichtsprachlich, wobei die innere (ich mit mir selbst) und die äußere (ich mit der Außenwelt) unterschieden werden kann. Die Sprache ist nun eine sehr kontrollierte Form der Kommunikation, der Körperausdruck ist schon weniger kontrolliert, am meisten jedoch lässt der Klang erkennen, er ist am ehrlichsten.

Kommunikation lässt sich auch in eine inhaltliche und eine emotionale Ebene unterteilen, wobei es unter Menschen keine nicht-emotionale Kommunikation gibt. Musiktherapie funktioniert nicht ohne den Körper, man könnte sie also auch als hörbare Körpertherapie bezeichnen. Die Musik macht dann hörbar, was sowieso im Körper drinsteckt (und natürlich auch in Seele/Geist). Die Musiktherapie versucht emotionales rational verständlich zu machen.

Also: Als psychotherapeutische Methode ist Musiktherapie der Versuch, geistige, psychische oder körperliche Leiden bei einem Patienten mit dem Mittel der Musik fühlbar und bewusst zu machen und sie dadurch einer Heilung zuzuführen.

Die hier dargestellte Musiktherapie verwendet musikalische, sprachliche und Körperbewegungszeichen als Mittel zur Erkenntnis und Einsicht.

Ablauf

Musikimprovisation kann als Pädagogik, Therapie oder Animation betrieben werden. Bei pädagogischen oder animatorischen Zielen steht die Musik als universale Kunst im Vordergrund, bei psychologisch-therapeutischen der leidende, behinderte oder kranke Mensch.

Der Ablauf einer ‚Sitzung‘ ist jedoch teilweise ähnlich.

Begonnen wird. mit einer Improvisation, die entweder absolut frei ist oder in Form eines Spieles abläuft. Anschließend wird über die durch die Improvisation ausgedrückten oder ausgelösten Gefühle und Gedanken gesprochen. Allerdings gibt es auch Richtungen in der Musiktherapie, die diese verbale Kommunikation gänzlich aus ihren Sitzungen gestrichen haben.

Handelt es sich hier um Therapie, so erhält dieses Gespräch größeren Tiefgang und es kann dann wieder eine Improvisation folgen, durch die der Therapeut sich weitere Aufschlüsse über seinen Patienten erhoffen kann.

Eine Herausforderung für den mit-improvisierenden Therapeuten besteht darin, das richtige Maß zwischen den Polen Nähe und Distanz, zwischen Anpassung (Extremform: Verschmelzung) und Distanzierung (Extremform: Autismus) zu finden.

Anwendungsmöglichkeiten

In meinen Augen ist Musikimprovisation für jeden Menschen empfehlenswert, da sie tiefere Einblicke und mehr Verständnis in bzw. für die eigene Person oder andere gewährt.

Was oft missverstanden wird: Es sind keine spieltechnischen Kenntnisse am Instrument gefragt, diese behindern sogar eher als dass sie helfen. Improvisation bedeutet in diesem Kontext stattdessen: seinen Jetzt-Zustand an einem oder mehreren Instrumenten ausdrücken, was sich nach herkömmlichen Maßstäben durchaus auch furchtbar anhören kann und darf.

Ausbildung

Voraussetzung zur Ausbildung in Musiktherapie ist i.d.R. zumindest die Hochschulreife. Abgesehen von freien Trägern, deren Ausbildungsgänge meist recht teuer sind, gibt es die Möglichkeit eines Studiums. Interessant ist hier die Form des Weiterbildenden Studiums, die meines Wissens zur Zeit nur in Frankfurt und Siegen angeboten wird. Dieser Studiengang nennt sich Sozialpädagogische Musiktherapie und ist für Sozialpädagogen und Sozialarbeiter konzipiert, die in verschiedenen sozialpädagogischen Praxisfeldern mit Musik arbeiten oder arbeiten wollen und sich diesbezüglich weiterbilden oder spezialisieren möchten.

Quellen

  • Improvisation und Selbsterleben, Seminar 90/91 bei F. Leist
  • Improvisation und Musiktherapie, Fritz Hegi, Paderborn 86
  • Informationsschrift Sozialpädagogische Musiktherapie, Weiterbildendes Studium, Fb Sozialpädagogik, FH Frankfurt am Main
  • Die Aus-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Sozialarbeiter auf musiktherapeutischem Gebiet. Eine Bestandsaufnahme vom Almut Seidel.

Frank Doerr

Dipl. Sozialpädagoge Studium an der FH Frankfurt/Main 1990-1994 Schwerpunkt kulturelle Sozialarbeit Diplomarbeit: Musikalische Gruppenimprovisation in der Sozialpädagogik - Wesen, Wirkung und Möglichkeiten. Fachhochschule Frankfurt/Main am 15.04.94. Parallel Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendarbeit (Musikprojekte im Lohwald/Offenbach, Musikprojekte und Einzelfallhilfe im Jugendbüro Eckenheim, Caritas Heddernheim, Stadt Frankfurt), Drogenprävention (Hochtaunus) und individuellen Schwerstbehindertenbetreuung (CeBeF Frankfurt). Danach 1994 - 1997 Kinder- und Jugendhaus Bornheim. 1996 Lehrauftrag an der FH Frankfurt, Fb Sozialpädagogik. 2000-2002 Projektleiter Selbsthilfe im Taunus (SiT). 2002-2005 Jugendberufshilfe KuBi e.V. Ab 2001 parallel freiberuflich tätig, seit 2006 Inhaber und Geschäftsführer zweier Agenturen für Online Marketing. Fachjournalist (bdfj). 2015 Lehrauftrag an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Informationswissenschaften.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Herr Doerr,
    vielen Dank für diese schöne und klare Übersicht. Ich werde mich in musiktherapeutischer Richtung schlau machen. Viel Erfolg weiterhin.

    Viele Grüße,
    Dr. Pascal Kühner

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